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Heimatmuseum Oberstdorf
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Artikel aus der Allgäuer Zeitung vom 27.1.06
Tourismusmuseum auf Eis gelegt
Museumsverein bedauert Stillstand um ehemaliges Rathaus

von Peter Schwarz
Oberstdorf
Die Bemühungen, in Oberstdorf ein bayernweit einzigartiges Tourismusmuseum einzurichten, sind nicht vorangekommen. Nach der Nordischen Ski-WM 2005 wollte man damit beginnen, das leer stehende frühere Rathaus am Marktplatz als Historienschau aufzubereiten. Damit sollten die Pionierleistungen des heimischen Fremdenverkehrs im 19. und 20. Jahrhundert für die Nachwelt dargestellt werden. In der Jahresversammlung des Museumsvereins bedauerte Vorsitzender Peter Weiß den Stillstand in dieser Angelegenheit. Auch Bürgermeister Thomas Müller ist nicht glücklich.

Seit mehreren Jahren trägt sich der mittlerweile auf 132 Mitglieder angewachsene Verein mit Erweiterungsplänen für das bestehende Heimatmuseum in der Oststraße.

Nachdem Rathauschef Müller das ehemalige Schulhaus, das nach einer Ölofen-Explosion als Verwaltungssitz ausgedient hatte, für ein solches Fremdenverkehrsmuseum ins Spiel brachte, stellte der Museumsverein erst einmal seine eigenen Ambitionen zurück.

Doch nachdem ein angedrohtes Bürgerbegehren Rathaus-Umzugspläne ins ehemalige Kurmittelhaus vereitelten, wirkte sich dies auf die Frage aus, was denn mit dem leer stehenden Bauwerk am Marktplatz geschehen soll. Museumspfleger Eugen Thomma hatte bereits ein Konzept im Kopf, wie ein zweigeteiltes Museum mit der Tourismus-Dependance aussehen soll. „Dieses Hin und Her ist dem Arbeitsklima im Museum nicht förderlich", tat es dem Vorsitzenden Leid, die ursprünglichen Erweiterungsabsichten zurückgestellt zu haben. Bürgermeister Müller hoffte als Teilnehmer der Versammlung, dass wenigstens heuer eine Zukunftsentscheidung gefällt wird.

60 Jahre im Museum zu Hause
Nach 60 Jahren Mitarbeit zieht sich der bisherige stellvertretende Vorsitzende Anton Köcheler als neuer Beisitzer ins zweite Glied zurück. Er will noch seinen Nachfolger Albert Vogler, zugleich Dritter Bürgermeister, einarbeiten. Ehrenmitglied Köcheler war schon kurz nach Kriegsende als 18-Jähriger zu den Hütern der Oberstdorfer Ortsgeschichte hinzugestoßen. Dessen erster Kontrollgang, so blickte der langjährige Weggefährte Weiß in die turbulente Nachkriegszeit zurück, habe ein schlimmes Bild ergeben: Im Museum war alles durchwühlt, wie nach einem Einbruch.
Dass die Darstellung der örtlichen Historie heute wohlgeordnet ist und allein im vergangenen Jahr fast 13000 Besucher angelockt hatte, zeigte der Vorsitzende ebenfalls im Jahresbericht auf. Allein an einem Tag im August drängten sich 600 Personen in den Räumen. Mittlerweile ist die „gute Stube" des Museums ein beliebter Heiratsmarkt. 69 Paare ließen sich dort trauen. Auch Fernseh-Teams steuern die Historiensammlung immer wieder für Filmaufnahmen an.

Außerhalb des Hauses, nämlich in der Josefskapelle aus dem Wallfahrtskirchen-Ensemble Loretto, fand im vergangenen Jahr eine Ausstellung unter wesentlicher Beteiligung des Museumsvereins statt. Sie war einem alteingesessenen Oberstdorfer Maler-Geschlecht gewidmet: den Schraudolphs. Zu sehen waren Fresken, die als Teil des Weltkulturerbes sonst im Dom zu Speyer verewigt sind. Für Peter Weiß stellte diese Schau den Höhepunkt des Vereinsjahrs 2005 dar.
Wenn schon die Bemühung ums Tourismusmuseum derzeit auf Eis liegt, soll wenigstens eine Zusammenarbeit mit dem Museum von Lech am Arlberg Früchte tragen. Erste Bande wurden geknüpft, um die in früheren Jahrhunderten vorhandenen Beziehungen diesseits und jenseits des Schrofenpasses wieder aufleben zu lassen.

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