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Heimatmuseum Oberstdorf
Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben in Alt-Oberstdorf
  
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Eröffnung der Sonderausstellung
"Urgewalt des Wassers - Wildbachverbauung einst und jetzt"

Brechend voll war der Sonderausstellungsraum unseres Museums am Mittwoch, dem 24. Februar 2010, als die neue Dauerausstellung "Urgewalt des Wassers - Wildbachverbauung einst und jetzt" feierlich eröffnet wurde. Bei kleinen Ansprachen würdigten unser Vorsitzender Albert Vogler, 1. Bürgermeister Laurent Mies und der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten Karl Schindele einerseits die Arbeit der am Aufbau beteiligten Personen und gingen andererseits auf die Historie der Wildbachverbauung ein. Zwischen den Redebeiträgen unterhielt der gebürtige Oberstdorfer Markus Noichl die Besucher mit originellen musikalischen Darbietungen. Nach dem offiziellen Teil konnten sich die Gäste während einer kleinen Brotzeit bei den Fachleuten genauer über die Ausstellung informieren. Wer dann noch Lust hatte, durfte auch den neuen Burgenraum in Augenschein nehmen, den unsere Museumspfleger "so ganz nebenbei" in den letzten Wochen einrichteten.

Die Gastredner
Markus Noichl auf der Harfe
Markus Noicl auf der "Steintrage-Trommel"
Im Allgäuer Anzeigeblatt vom 26.2.10 erschien zu dieser Veranstaltung der folgende Artikel:

Wildbäche zähmen, um Menschen zu schützen
Ausstellung Wasserwirtschaftsamt informiert in Oberstdorfer Heimatmuseum
„Der heutige Mensch ist der Natur gefährlicher geworden als sie ihm jemals war." Hansjonas (1903-1993), Philosoph
Oberstdorf Die Ausstellung über die Wildbachverbauung im Allgäu ist jetzt da, wo sie eigentlich hingehört: in Oberstdorf. Dort, wo beim schweren August-Hochwasser 2005 die schlimmsten Schäden zu beklagen waren. Die Ausstellung des Kemptener Wässerwirtschaftsamtes war jahrelang im Alpinmuseum in Kempten untergebracht, wurde jetzt aber erweitert, aktualisiert und ins Oberstdorfer Heimatmuseum verlegt. Museumsvereins-Vorsitzender Albert Vogler sagte bei der Eröffnung der Schau am Mittwoch­abend, dass künftig pro Jahr mit etwa 11 000 Besuchern zu rechnen sei.
Durch die Wildbachverbauung werde in die Natur eingegriffen, räumte Wasserwirtschaftsamts-Chef Karl Schindele ein. Doch man­che bergnahen Gegenden könnten ohne eine Zähmung der Wildbäche nicht besiedelt werden.
Vor mehr als 100 Jahren - im August 1902 - hatte Luitpold Prinz von Bayern die organisierte Wildbach­verbauung im Königreich Bayern ins Leben gerufen. „Sektionen für Wildbach-Verbauungen" wurden in Rosenheim und Kempten gegrün­det. Zwei Unwetter-Ereignisse im Allgäu trugen um 1900 entschei­dend dazu bei, für die Wildbach-Verbauungen staatlich organisierte Strukturen zu schaffen: Im Steigbachtobel bei Immenstadt und im Bereich des Bad Oberdorfer Wild­bachs nahe Hindelang hatten sich nach sintflutartigen Regenfällen wahre Katastrophen abgespielt. Ös­terreich und Frankreich hatten schon im 19. Jahrhundert staatliche Strukturen für die Zähmung der Wildbäche eingerichtet.
In der Ausstellung - die einzige ihrer Art in Deutschland - lassen die gezeigten historischen Werkzeuge und Bilder erahnen, welch knochen­harte Arbeit die Wildbachverbauung in der Pionierzeit war. Selbst junge Burschen - fast noch Kinder - mussten mit anpacken, wenn zent­nerschwere Steine aufeinander ge­schichtet wurden. Das belegen die historischen Fotos.
Das Prinzip der Zähmung ist bis heute gleich geblieben, wobei jetzt Bagger und Spezialmaschinen die Körperarbeit ersetzen. Verbauun­gen in Flüssen - beispielsweise Stu­fen und Treppen - sollen in erster Linie dazu beitragen, dass die Was­sermassen nicht Unmengen an Wildholz und Geröll mitschleifen, die an Brücken zu sogenannten Verklausungen (Sperren) mit Über­schwemmungen als Folge führen.
Neben Schautafeln, historischen Fotos und Werkzeugen werden in der Ausstellung auch Kurzfilme zum Thema gezeigt. (mum)

Heimatmuseum Oberstdorf - Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen.