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Heimatmuseum Oberstdorf
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Artikel aus dem Allgäuer Anzeigeblatt vom 26.3.2010
Mit dem Maßband Allgäuer Burgen untersucht
Miniaturen Liebevoll rekonstruierte Modelle von Otto Simbeck erwecken 13 einstmals stolze Gemäuer aus der Region wieder zum Leben - Das Heimatmuseum Oberstdorf hat nun eigens einen Raum dafür eingerichtet
VON MICHAELA SCHNEIDER
Oberstdorf Sie sind wahre Kleinode: die Burgenmodelle des Holzschnitzers Otto Simbeck. Trotzdem fristeten sie über etliche Jahre ein trauriges Dasein auf dem Dachboden. Jetzt endlich sind die 13 liebevoll rekonstruierten Gemäuer im exakten Maßstab 1:50 aus der Region dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Oberstdorfer Heimatmuseum hat dafür im Keller eigens einen Burgenraum eingerichtet.
Und noch weitere Kunstwerke hat Otto Simbeck zur Verfügung gestellt: Handgeschnitzte Wappen sämtlicher Adelsgeschlechter, die die Burgen einst bewohnten, zieren die Wände des Burgenraums. „Die standen 50 Jahre lang bei mir in der Werkstatt. Hier machen sie sich richtig gut", sagt der 78-Jährige.
Otto Simbeck ist bescheiden, will eigentlich gar nicht groß in der Öffentlichkeit stehen mit seinem Burgenmodellen, die schon einmal zu sehen waren - und zwar im Jahr 2003 in der Sonderausstellung „Burgen und Ritter im Allgäu" im Museum Hofmühle in Immenstadt.
Hergestellt hatte er sie aus reiner Neugier: „Ich wollte halt wissen, wie die Burgen einst aussahen." Denn: Von vielen der einstmals so stolzen Gemäuer im Allgäu sind heute nur noch die Fundamente geblieben. Ein bisschen ärgert sich der 78-Jährige auch darüber, dass viele heute Mallorca und die Welt kennen würden - sich aber für die eigene Heimat kaum interessierten.
Gelesen, gemessen
und Grundrisse gezeichnet

Und so wälzte Simbeck seit den 80er Jahren nicht nur reichlich Literatur, sondern untersuchte auch die Überreste der einstigen Bollwerke bis ins Detail mit dem Maßband. Er zeichnete Grundrisse, vermaß erneut, rechnete, las nach und ließ seine Fantasie spielen, bis seine Skizzen Hand und Fuß hatten. Schließlich wollte er nicht Ruinen, sondern stolze Burgen rekonstruieren.
Als Erstes war die Burg Burgberg dran - eine der ältesten Turmburgen des Allgäus. Mauer für Mauer erschuf Simbeck aus Zirbelholz, Hart-PVC-Fugenfüller, Farbe und kleinen Holzlatten. Häufig werkelte er nach der Arbeit bis in die Nacht an seinem Glanzstück und an etlichen verregneten Wochenenden. Auf einer Holzspanplatte entstand eine Burg, wie sie einstmals ausgesehen haben könnte.
Bei den nächsten Burgen verfeinerte Simbeck seine Technik noch. Ein bis zwei Modelle nahm sich der Oberstdorfer pro Jahr vor, 13 Burgen insgesamt - bis kein Platz mehr
für weitere Modelle war. Am besten gelungen sei ihm die Burg Laubenstein, sagt der 78-Jährige jetzt beim Rundgang durch den Burgenraum im Heimatmuseum.
Obwohl ihn ein anderes Gemäuer ganz besonders fasziniert: die Burg Baltenstein bei Betzigau. Die Ruine sei nur zu Fuß zu erreichen, viele würden die Fundamente des einst bewohnbaren Turms auf einem acht Meter hohen Findling gar nicht, mehr kennen. Mit der Dauerausstellung im Heimatmuseum soll sich dies ändern.
Ersatzbilder (statt der Originalbilder von Frau Schneider)  
Burg Baltenstein
Burg Laubenstein
Bildunterschrift: Heute beinahe in Vergessenheit geraten: die Burg Baltenstein bei Betzigau. Auf einem acht Meter hohen Findling stehen nur noch die spärlichen Reste des einst bewohnbaren Turmes Bildunterschrift: Otto Simbeck und sein aufwendigstes Stück: das Bodell der Burg Laubenstein
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Burgenlandschaft Allgäu - ein Überblick
Im Allgäu sind rund 360 Burgen-Standorte dokumentiert. Viele der Bollwerke wurden bereits nach 200 oder 300 Jahren Nutzung wieder verlassen. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurden zahlreiche Gemäuer im Allgäu während des Bauernkriegs und des Dreißigjährigen Krieges sowie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nur ein paar wurden zu Schlössern umgebaut und sind bis heute bewohnt. Die meisten Anlagen sind nur noch als Ruinen oder Burgställe erhalten. Von einem Burgstall spricht man, wenn die Burg gänzlich verschwunden ist und allenfalls noch Bodenspuren vom einstigen Gemäuer zeugen. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich erste Bestrebungen, die historische Bausubstanz zu erhalten. Verdienste erwarb sich später vor allem auch der Allgäuer Burgenforscher Dr. Otto Merkt, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts vor Ort viele Gedenksteine aufstellen ließ. Heute ist vor allem auch der Allgäuer Burgenverein mit Sitz in Kempten im Bereich Burgenforschung engagiert. Seit Jahren arbeitet er in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege an der Inventarisation aller noch feststellbaren historischen Wehranlagen und Adelssitze im Allgäu und lässt sie in Planzeichnungen, Wort und Bild dokumentieren.
Heimatmuseum Oberstdorf - Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen.